Erst einmal muss ich zugeben, dass ich mich nach einem äußerst anstrengenden Semester zu aller erst mit „leichter“ Literatur ablenken wollte. Die Wahl ist mir dabei nicht schwer gefallen, da mein Instagram Feed seit Wochen mit Bildern von Lauren Groffs Roman Fates and Furies (deutscher Titel: Licht und Zorn, erscheint am 22.08.2016) übergelaufen ist. Ich war neugierig weil er unter anderem Finalist für den National Book Award 2015 war und von Barack Obama zum Buch des Jahres gewählt wurde. Außerdem wurde Fates and Furies von der wundervollen Florence Welch (Leadsängerin „Florence and the Machine“) in Zusammenarbeit mit meinem Lieblingsbuchclub BetweenTwoBooks empfohlen. Ich war geradezu euphorisch und konnte es kaum erwarten endlich mal wieder Fiktion anstatt Theorien zu lesen.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Groffs großartige Art mit der englischen Sprache zu malen hat mich schnell aus der Realität entführt. Ihr Stil, geprägt von poetisch pulsierenden Sprachbildern, erinnerte mich sehr an Sylvia Plaths Gedichte, gesammelt in Ariel. Zentrum der Geschichte ist die Ehe von Lotto und Mathilde, die aus der
jeweiligen Perspektive erzählt wird. Dabei nimmt sich der erste Teil des Buchs unter dem Titel „Fates“ Lottos Lebenswelt an und der zweiten Teil namens „Furies“ widmet sich Mathildes Einblicken. Besonders schön ist die Art und Weise wie der zweiten Teil Lottos Sichtweise auf die Ehe, die mich besonders als weibliche Leserin manchmal schaudern lies, als reine Fantasie entlarvt. Groff widmet sich dabei alten Clichés die sie dann meisterhaft aufbricht und so die Komplexität ihrer Charaktere noch verfeinert. Lotto, der gescheiterte Schauspieler der dann zum gefeierten Dramaturgen der New Yorker Theaterszene aufsteigt, erkennt aufgrund seiner privilegierten Position nicht, dass Mathilde maßgeblich an seinem Erfolg beteiligt ist. Sie wird zur Strippenzieherin hinter den Kulissen, was aber letztlich nur für die Leser*innen ersichtlich wird.

Groff gelingt es mit Fates and Furies Schein und Sein einer Ehe zu dekonstruieren und dabei gekonnt die Falle der Moralpredigt zu vermeiden. Lotto und Mathilde sind verurteilt vom Schicksal und aufgeladen mit Wut und daraus ergibt sich eine komplexe Geschichte, die sich mit Hinblick auf den englischen Titel des Romans (Fates and Furies) zwischen griechischer Komödie und Tragödie bewegt.  Die Protagonisten sind zugleich komisch und tragisch, heldenhaft und verdammt, modern und antik aber vor allem sind sie lesenswert. Es bleibt zu hoffen, dass die deutsche Übersetzung dem Original gerecht wird.