Es gibt viele unterschiedliche Ansichten zu Leselisten und überhaupt zum Lesen. Die Art der Bücher, wieviele Bücher gleichzeitig gelesen werden können etc., sind dabei wichtige Fragen, die ich schon mehr oder wenig kontrovers mit Freund*innen diskutiert habe. Ein guter Freund, ich nenne ihn hier einmal Mark, liest zum Beispiel nie mehr als ein Buch und würde deshalb, im Gegensatz zu mir, niemals auf die Idee kommen einen Stapel von Büchern zu haben, die er gleichzeitig liest. Stattdessen arbeitet Mark jedes seiner Bücher akribisch von Anfang bis Ende durch und legt das Buch nicht einmal bei Seite, wenn er mittendrin feststellt, dass es der absolut schlechteste Roman ist, den er je gelesen hat. So beneidenswert ich seine Disziplin auch finde ist für mich ist die Vorstellung nur ein Buch lesen zu können geradezu wie ein Gefängnis, in dem meine Lesefreude langsam aber sicher wie eine Wasserpflanze in der Wüste verkümmern würde.

Daher muss ich hier erst einmal ein Geständnis machen: ich bin eine notorische Mehrbuchleserin. Das kann bedeuten, dass ich zum Beispiel Die Unerträgliche Leichtigkeit des Seins anfange und mir mitten im Roman einfällt, dass ich unbedingt Interviews With Hideous Men lesen möchte, nur um dann in Mitten dieser Kurzgeschichtensammlung die Idee zu habe endlich in White Teeth zu schmökern. Das soll nicht heißen, dass ich das erste oder zweite Buch nicht zu Ende lesen werde, es bedeutet lediglich, dass ich etwas länger brauche um das Buch auszulesen.

Es gibt aber auch Bücher die ich nicht beenden werde. Das passiert nur dann, wenn es mir sprachlich und inhaltlich nicht gefällt was zum Beispiel am übermäßigem Gebrauch von Clichés liegen kann. Dieses Leseverhalten gilt zwar unter eingeschweißten Lesezirkeln als verwerflich, oder fast schon als ein Tabu, aber für mich ist ganz klar: da ich nur eine begrenzte Zeit zum Lesen habe, möchte ich diese kostbaren Momente nicht mit Büchern verschwenden, die mich nicht begeistern, mir neue Ideen schenken, andere Welten eröffnen und die ich nicht nochmals lesen würde. Eine meiner Lieblingsautor*innen, Susan Sontag, meinte dazu:

Literature is actually just this little tiny percentage of what is produced in book form. But, of course, that’s what I’m talking about — I would go as far as to say that no book is worth reading if it isn’t worth reading five times, or more. . . . That’s what I mean by “literature” — a book that you would want, repeatedly, to read, to be inside you, to be part of your bloodstream. (Susan Sontag)

In diesem Sinne werde ich lieber gute Bücher mehrfach lesen, als schlechte Bücher einmal.

Aber zurück zum Anfang und dem notorischen Mehrbuchlesen. Für mich ist Abwechslung beim Lesen unglaublich wichtig. Manchmal habe ich genug von einem Roman und möchte spontan ein paar Gedichte, Kurzgeschichten oder ganz einfach ein anderes Buch lesen, bevor ich den ersten Roman beende. So ist auch die abgebildete Leseliste entstanden, die, wie mir gerade auffällt, auch sehr viel über mich verrät. Ich muss zugeben, dass mir vorher noch nie so bewusst geworden ist, wie sehr sich meine Leseinteressen auf englischsprachige, Amerika-zentrische Literatur beschränken. Da muss sich in Zukunft was ändern aber bis dahin eine kurze Erklärung:

Read This If You Want To Take Great Photographs (2014) von Henry Carroll war ein Geschenk über das ich mich sehr gefreut habe und auf dessen Inhalt ich sehr gespannt bin. Da ich selbst gerne fotografiere aber technisch wenig Ahnung habe und auch was Bildkomposition angeht noch das ein oder andere lernen könnte, war dieser kleine Schatz das perfekte Geschenk. Das Buchdesign ist wunderschön simplistisch und es finden sich großartige Fotografien von Künstler*innen wie Ansel Adams, Henri Cartier-Bresson, Fay Godwin, Elaine Constantine, Youngjun Koo und vielen weiteren, neben verständlichen Erklärungen zu Technik und Komposition. Ich bin gespannt was ich dazu lerne.

Donna Tartts Roman The Goldfinch (2013)habe ich vor einigen Wochen gebraucht erstanden. 2014 wurde er mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet, weshalb er mich besonders interessiert. Bisher habe ich etwa ein Viertel des Buchs gelesen und muss ehrlicherweise zugeben, dass ich noch nicht wirklich überzeugt bin, aber das kann sich noch ändern.

Toni Morrisons Beloved (1987) steht schon sehr lange auf meiner Liste von Büchern die ich unbedingt lesen möchte. Auch dieser Roman wurde mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet, allerdings schon 1988. Ich habe bereits Jazz und The Bluest Eye von Morrison gebannt gelesen und bin sehr neugierig auf ihr wohl berühmtestes Werk.

Bisher hatte ich noch nicht die Gelegenheit eines von Junot Díaz Büchern zu lesen und bin neulich über seine Kurzgeschichtensammlung This Is How You Lose Her (2012) gestolpert. Da ich zur Abwechslung auch gerne Kurzgeschichten lesen und die Bücher von Alice Munro besonders verschlungen habe, konnte ich mich nicht zurück halten und habe das Buch kurzerhand gekauft. Dominikanisch-amerikanische Literatur habe ich bis jetzt auch noch in keinem meiner Kurse behandelt und bin sehr neugierig auf die Art und Weise wie Díaz diese Erfahrungswelt literarisch verarbeitet.