Ein paar Gedanken zum Schreiben über Literatur und Teju Coles „Known and Strange Things“

Gerade bin ich motiviert und habe auch irgendwie die Energie meine Motivation umzusetzen. Dass genau diese beiden Momente mit genügend Zeit zusammenfallen kommt mir geradezu wie ein Geschenk vor, denn die letzten Monate war ich wohl mehr fremd- als selbstbestimmt. Das hat sich auch auf die Arbeiten, die ich für die Uni schreiben muss ausgewirkt.

Hausarbeiten

Ein kleines Beispiel: ich schreibe gerade an einer Hausarbeit zu Jeffrey Eugenides Roman The Virgin Suicides. Gerade ist wohl eher eine Untertreibung, denn eigentlich liegt diese Arbeit schon seit Wochen und Monaten auf meinem Desktop. Die Versionen ändern sich gemächlich, die Unlust die Arbeit zu beenden nicht. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass der Prozess des Schreibens immer wieder durch neue Interessante Ideen zum Roman unterbrochen wird und ich gefühlt meine These 1 000 000 mal überarbeitet habe. Die fehlende Deadline ist auch nicht gerade hilfreich. Außerdem hatte ich bisher noch nicht die Möglichkeit die ein bis zwei Wochen ohne Ablenkung zu investieren, die ich in der Regel für eine gute Arbeit benötige (ich meine hier die reine Schreibarbeit). Ständig war ich durch andere Aufgaben dazu gezwungen dieses Projekt bei Seite zu legen und meine Aufmerksamkeit anderen Dingen zu widmen. Da ich aber bisher keinen Zeitdruck habe, ist das auch nicht weiter schlimm, nur ein wenig nervtötend. Jetzt habe ich endlich die Muse an den Feinheiten der Arbeit zu feilen und habe meine Leidenschaft über Literatur zu schreiben und diese zu analysieren endlich wieder entdeckt. Keine Ausreden mehr.

Known and Strange Things

Hilfreich ist dabei auch das Buch, dass ich gerade lese. Teju Coles neue Essay Sammlung Known and Strange Things begleitet mich nun seit ca zwei Wochen auf meinen Wegen. Ich hatte sogar das Glück ihn persönlich bei einer Lesung hier in Berlin zu treffen und eine Widmung im Buch zu ergattern (mein ganz eigener Fangirlmoment hoch unendlich). Leider war ich natürlich zu aufgeregt um ihn tatsächlich über seinen Roman Open City auszufragen, den ich vor etwa einem Jahr geradezu verschlungen habe. Trotzdem ist es für mich eine Interessante Erfahrung seine Essay Kollektion zu lesen, nachdem ich den Autor selbst kennen lernen durfte. Für mich ist es als ob seine Texte dadurch eine persönlichere Note bekommen hätten.

In Known and Strange Things widmet sich Cole unter anderem Literatur, visueller Kunst und seinen Reisen. Besonders Coles Art über Literatur zu schreiben ist für mich erleuchtend da er eben nicht mit mechanischen Bergrifflichkeiten, die zum Repertoire Literaturstudierender gehören, um sich wirft sondern viel zugänglicher und weniger theoretisch schreibt. Authentizität erreicht er dabei indem er nicht aus einer vorgeblich neutralen Perspektive schreibt, sondern das Gelesene mit seinen eigenen Erfahrungen verwebt und seinen Texten dabei eine sehr persönliche, oft metaphorische Note verleiht. So gewinnt selbst der hauptsächlich männliche Kanon an Autoren die er analysiert Anziehungskraft und ich kann es inzwischen kaum erwarten meinen ersten Roman von W.G. Sebald (den ich schon lange auf meiner Leseliste habe) endlich zu lesen.

Freies Schreiben

Bisher habe ich noch nicht alle Texte aus Known and Strange Things gelesen. Daher will ich hier noch keine Bewertung oder einen Review des Buchs schreiben und mir das für einen späteren Blogeintrag aufheben. Allerdings kann ich jetzt schon sagen, dass es für mich persönlich sehr produktiv ist, die Essays zu lesen während ich selbst an meiner Arbeit feile. Coles Art des Schreibens ermutigt geradezu den akademischen Jargon zumindest ein bisschen abzuschwächen, Sätze einfach und verständlich zu formulieren und sich bewusst zu machen, dass nicht das Schreiben die eigentliche Arbeit ist, sondern das Überarbeiten und Editieren.

 

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