Wie wahrscheinlich viele bin ich schockiert, entsetzt und finde kaum Worte um zu beschreiben was für ein Albtraum das Ergebnis der amerikanischen Wahl ist. Der 45. amerikanische President Donald Trump? Klingt mehr wie das Ende einer Black Mirror Episode. Oder eines Horrorfilms. Oder eines dystopischen Romans à la Nineteen Eighty Four oder Brave New World. 

Tatsächlich habe ich während des Wahlkampfs, der nicht nur Wochen und Monate, sonder inzwischen schon Jahre andauert, oft an ein Buch gedacht über das ich meine Bachelorarbeit geschrieben habe. Philip Roths Roman The Plot Against America scheint genau die Art realistischer Dystopie zu sein, die wir jetzt tatsächlich erleben.

The Plot Against America

Grob zusammengefasst schreibt Roth einen Roman alternativer Geschichte, und konzentriert sich dabei auf die Perspektive des jungen Philips, jüngster Sohn der jüdischen Familie Roth. Startpunkt der alternativen Geschichtsschreibung ist dabei das Jahr 1940 und die damalige Präsidentschaftswahl. Im Gegensatz zu historischen Fakten wird im Roman jedoch nicht Franklin Delano Roosevelt (FDR) Präsident. Stattdessen wird der bekannte Pilot Charles Lindbergh Inhaber der höchsten Amts der amerikanischen Demokratie. Lindbergh, ein Mann der sich auch in Realität rassistische und isolationistische Ideen äußerte, wird daraufhin zu einer Schicksalsfigur amerikanischer Geschichte gemacht. Leser verfolgen durch die Augen des jungen Philips, wie besonders anti-semitisches Gedankengut zur Norm wird und erleben zusammen mit ihm wie seine Familie Aufgrund ihrer jüdisch-amerikanischen Identität immer mehr diskriminiert und verfolgt wird.

Aber warum der Vergleich der US-Präsidentschaftswahl mit dem Roman? Charles Lindbergh ist die Aantwort. Es ist eben der Lindbergh des Romans, der mich so sehr an Donald Trump erinnert. Der Vergleich liegt nahe. Beide sind berühmte, reiche, weiße Männer. Beide standen in der Öffentlichkeit bevor sie in die Politik gingen. Beide sind Populisten und gewinnen Sympathisanten durch hasserfüllte Reden, die eine besondere Verachtung für Minderheiten ausdrücken und nichtsdestotrotz (oder gerade deshalb) unverhältnismäßige mediale Aufmerksamkeit genießen. Sie scheinen beide der Inbegriff des weißen Patriarchen zu sein, der mit werbesloganartigen Reden die Herzen seiner Anhänger erobert. Auch wurden beide, der Trump der Realität und der Lindbergh des Romans politisch unterschätzt, bis sie tatsächlich ins Weiße Haus einziehen.

Unheimliche Ähnlichkeit

Und genau dem Gedanken an diese Ähnlichkeit habe ich die letzten Wochen oft ein ungutes Gefühl bekommen. Aber eben weil das mediale Spektakel der amerikanischen Wahl mehr einer grotesken Reality Show glich, konnte ich mir nicht vorstellen, dass Präsident Trump tatsächlich Realität werden könnte. Es schien unrealistisch, unheimlich, albtraumartig. Und jetzt wird der Albtraum wahr.

Hilfesuchend habe ich in den üblichen Social Media Kanälen nach Antworten gesucht. Die meisten Personen die zu meinen Echo Chambers auf Facebook, Instagram oder Twitter gehören, spiegeln jedoch nur meine eigene Fassungslosigkeit wieder. Auch Nachrichten- und Meinungsoulets wie der New Yorker oder Die Zeit, scheinen meine wachsende Angst nur zu verstärken. David Remnick schreibt beispielsweise im New Yorker in einem Artikel mit dem vielsagenden Titel „An American Tragedy“:

[btx_quote author=“– David Remnick“ style=“border“ font=“primary“]There are, inevitably, miseries to come: an increasingly reactionary Supreme Court; an emboldened right-wing Congress; a President whose disdain for women and minorities, civil liberties and scientific fact, to say nothing of simple decency, has been repeatedly demonstrated. Trump is vulgarity unbounded, a knowledge-free national leader who will not only set markets tumbling but will strike fear into the hearts of the vulnerable, the weak, and, above all, the many varieties of Other whom he has so deeply insulted. The African-American Other. The Hispanic Other. The female Other. The Jewish and Muslim Other. The most hopeful way to look at this grievous event—and it’s a stretch—is that this election and the years to follow will be a test of the strength, or the fragility, of American institutions. It will be a test of our seriousness and resolve.[/btx_quote]

Es ist ernüchternd und beängstigend über Remnicks Vorhersagen nachzudenken. Ich hoffe, er liegt falsch und dass zwischemenschliche Solidarität die nächsten Jahre prägen wird und nicht der Hass, den Trump in seinen Reden immer wieder propagiert. Ich hoffe The Plot Against America wird keine Realität. Und ich hoffe, dass wir alle bald aus diesem amerikanischen Albtraum aufwachen.