Feiertage können wie eine immer näher rückende Deadline sein. Langsam breitet sich Panik aus und man kann bereits jetzt (es sind noch über 2 Wochen bis Weihnachten und Chanukka!!) Menschen in Berlin beobachten, die mit einer panischen Aura gehetzt die Einkaufspassagen und Straßen entlang eilen. Ich kenne das Gefühl, habe aber vor einigen Jahren meine persönliche Lösung entdeckt. Ich verschenke Bücher, die ich selbst gerne gelesen habe. Da mein Blog bisher ein schwer gehütetes Geheimnis ist und tatsächlich weder Familie noch Freunde von meinem zweiten Leben im Internet wissen, kann ich ganz einfach die Liste der Bücher teilen, die ich dieses Jahr verschenken werde (übrigens: das ist keine Werbung, sondern einfach ein ehrlicher Beitrag). Vielleicht findet sich die ein oder andere Anregung für diejenigen, die tatsächlich einmal über diesen Blog stolpern.

1.Between the World And Me (dt. Zwischen Mir und der Welt) von Ta-Nehisi Coates

Bisher habe ich es noch nicht geschafft einen Beitrag zu einem der, meiner Meinung nach, wichtigsten Memoiren der letzten Jahre zu schreiben. Allerdings steht das ganz oben auf meiner Liste von zukünftigen Blogeinträgen.

In diesem autobiographischen Werk, für das Coates die Briefform wählt, setzt sich der afro-amerikanische Schriftsteller mit gesellschaftspolitischen und historischen Fragen im US-amerikanischen Kontext auseinander. In seinem ca 150 Seiten langen Brief, den er an seinen jugendlichen Sohn richtet, setzt er sich in einer sehr persönlichen Art mit dem Thema des Schwarz-seins in Amerika auseinander und stellt Fragen wie  „What is it like to inhabit a black body and find a way to live within it? And how can America reckon with its fraught racial history?“ Was das Buch für mich besonders auszeichnet ist Coates Fähigkeit Geschichte und politisches Geschehen auf eine poetische und persönliche Art eindrucksvoll miteinander zu verweben.

Besonders für politisch interessierte Menschen ist Between the World And Me ein großartiges Geschenk, das im Hinblick auf die US-Wahlen und den weltweit zunehmenden Populismus, nicht relevanter sein könnte.

2.Open City von Teju Cole

Einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller ist Teju Cole. Sein Roman Open City habe ich nun vor ca 2 Jahren gelesen. Der Roman war eines dieser Bücher, das mich noch lange nachdem ich es wieder ins Regal gestellt hatte beschäftigte. Immer wieder habe ich seither Passagen nachgelesen, die mir im Nachhinein wie eine Prophezeiung erscheinen.

Cole erzählt in Open City die Geschichte des jungen Psychiaters Julius, der aus Nigeria den Weg nach New York City gefunden hat. Leser*innen begleiten ihn bei seinen Streifzügen durch die Metropole, die mehr zu einem Medium der Gedankenströme des Doktors werden. Auf diesen

Wandungen durch die Stadtteile New Yorks, besonders Manhatten, verbindet er geschichtliche, politische und gesellschaftliche Themen auf eine sehr intime Art. Ganz im Stile von Büchern wie Ulysses oder The Catcher in the Rye lernen Lesender dabei den Protagonisten auf eine persönliche Art und Weise kennen, ohne dabei tatsächlich Zugang zu dessen innersten Selbst zu erreichen. Da ich persönlich ein großer Fan von Charakterstudien bin, war ich sofort begeistert von Coles Erzählung.

Open City beschränkt sich jedoch nicht auf New York City als Handlungsort und weitet die Erzählung von Europa, um genauer zu sein Belgien und Brüssel, bis zu einer der ehemaligen Kolonien Belgiens, dem Kongo, aus. Damit gelingt es Cole aktuelle weltpolitische Problematiken aufzugreifen und auf eine beeindruckende Art und Weise mit den Entscheidungen des Protagonisten zu verweben, was ihm den prophetischen Charakter verleiht, den ich schon erwähnt hatte. Beispielsweise sind mir besonders seit den Terroranschlägen auf Brüssel Coles achtsame Worte immer wieder in den Sinn gekommen.

[btx_quote author=“– Teju Cole, Open City“ style=“border“]A cancerous violence had eaten into every political idea, had taken over the ideas themselves, and for so many, all that mattered was the willingness to do something. Action led to action, free of any moorings, and the way to be someone, the way to catch the attention of the young and recruit them to one’s cause, was to be enraged. It seemed as if the only way this lure of violence could be avoided was by having no causes, by being magnificently isolated from all loyalties. But was that not an ethical lapse graver than rage itself?[/btx_quote]

Coles Buch ist besonders geeignet für Menschen die sich für globale gesellschaftspolitische Themen, Literatur und Philosophie interessieren.

3. Persepolis von Marjane Satrapi

Ich habe bereits einen Beitrag zu Satrapis wundervollen Graphic Novel geschrieben und möchte mich daher kurz halten. Im Buch verarbeitet die im Iran geborene Schriftstellerin ihre Kindheit, die sie teilweise im Iran und in Österreich verbrachte. Persepolis ist einfach zu verstehen und ließt sich sehr schnell, ohne dabei Inhalte auf der Strecke zu lassen. Es gibt mittlerweile auch einen Film zum Buch, den man auch auf Netflix anschauen kann, was evtl. eine weitere Motivation ist das Buch zu lesen.

Da diese Geschichte auch das Erwachsenwerden thematisiert, könnte es auch gut für jüngere Leser*innen (16+)  geeignet sein und bietet sich besonders an um sich kritisch Gedanken zum Thema Iran, Islam, Säkularismus und der weiblichen Rolle in der westlichen, sowie in der Welt des mittleren Ostens, zu machen.

4. Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie

Inzwischen wurden schon so viele Lobeshymnen auf die nigerianische Schriftstellerin und besonders auf ihren Roman Americanah gesungen, dass es mir fast unnötig scheint zu erklären, warum dieses Buch so toll ist. Vermutlich würde ich sowieso nur andere Leute plagiieren. Daher mein persönlicher Bezug zum Buch.

In einem Kurs an der Uni habe ich vor einigen Jahren Adichies TED-talk „The Danger of a Single Story“ gesehen. Wohl bekannter ist ihre Rede mit dem Titel „We Should All Be Feminists“, die inzwischen auch schon als Buch publiziert wurde. Tatsächlich war für mich der erste einprägsamer, weil ich zuvor tatsächlich so gut wie noch nie darüber nachgedacht hatte, dass die Held*innen sämtlicher Bücher die ich bis dahin gelesen hatte, weiß waren. Diese Rede hat das verändert und ich werde Adichie für immer dankbar dafür sein.

Zum Roman: Americanah erzählt die Geschichte von Ifemelu und Obinze, die sich als Teenager in der nigerianischen Stadt Lagos kennen und lieben lernen. Die Liebesgeschichte der beiden erstreckt sich über drei Kontinente und wird daher von weltpolitischen und sozialen Kräften beeinflusst, die nicht nur Ifemelu und Obinze das Leben schwer machen, sondern sie auch prägen und zu Kindern ihrer Zeit machen.

Der Roman ist besonders für Romatiker*innen geeignet, die sich auch für Konlonialgeschichte, kulturellen Imperialismus, Rassismus aber insbesondere auch für Kulturpolitik interessieren.

5. The Marriage Plot (dt. Die Liebeserzählung) von Jeffrey Eugenides

Jeffrey Eugenides Roman The Marriage Plot habe ich inzwischen einigen Freunden empfohlen und eigentlich durchweg positives Feedback bekommen. Er erzählt die Geschichte dreier Uni-Freunde, die sich mit Philosophie, Literatur und der Liebe auseinander setzen und sich letztlich alle dem „wahren“ Leben stellen müssen. Im Buch finden sich wunderbare Passagen in denen ausgiebig über französische Philosophen wie Jaques Derrida und Roland Barthes diskutiert wird, die mir tatsächlich die abstrakten Ideen dieser Denker etwas näher gebracht haben. Auch die Tatsache, dass im Zentrum der Geschichte eine weibliche Protagonistin steht, hat mir besonders in einer Zeit gefallen, in der ich dringend eine Heldinnen brauchte.

Im Nachhinein gibt es mit Sicherheit einiges das ich am Text kritisieren würde, was unter anderem mit einem  teilweise misogynen Ton zu tun hat (trotz vorhandener Protagonistin), der sich nicht nur an Äußerungen der männlichen Hauptpersonen festmachen lässt, aber durchaus teilweise an der Darstellung der weiblichen Hauptperson Madeleine.

Nichtsdestotrotz war der Roman eine Bereicherung, wenn auch rückblickend mehr bezogen auf seine problematischen Aspekte und die daraus resultierenden Denkanstöße. Generell glaube ich, dass er Leser*innen gefallen könnte, die sich gerne mit kritischen Theorien auseinander setzen, aber auch eine romantische Veranlagung haben.

Und zum Schluss…

Ich hoffe diese Liste ist hilfreich. Ich habe gerade bemerkt, dass sie doch auch sehr meine persönlichen Interessen widerspiegelt, aber ich glaube das ist relativ logisch, weil ich glaube jeder verschenkt letztendlich nur Bücher, die einem selbst gefallen.

Noch eins: alle diese Bücher kann man auch gebraucht kaufen, was ich persönlich auch immer schön finde, da man so ein bisschen die Umwelt schont und gleichzeitig nicht ganz so sehr dem Konsumwahn verfällt. Aber das sei jedem selbst überlassen. Es ist natürlich auch immer wunderbar ein neues Buch in den Händen zu halten.